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Dezember

Rochuskirche in Wien Das restaurierte Pestbild

Kaiser Leopold I mit seinen Söhnen vor der Ansicht von Wien nach Reinigung,
Festigung und Absorption der Wasserränder

Wien 3, St. Rochus, Pestvotivbild um 1690
mit Kaiser Leopold und
seiner Familie (sogen. Interimsbild) – nach Restaurierung 2004/05

Wien 3, St. Rochus, Hochaltarbild von Peter Strudel 1690, nach
Reinigung 2001

Ausschnitt aus Abb. 1
vor Restaurierung mit Schäden und braunen Wasserrändern

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Schmutzreinigung mit Radierpulver

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Das Interimsbild wähend der Fehlstellenretusche

Vor kurzem konnte die nach 1945 dritte Restaurierung der Dreifaltigkeitssäule auf dem Graben – eines der barocken Wahrzeichen Wiens – abgeschlossen werden. Gemalte Pestvotive sind weniger beachtet, sie sind aber historisch und künstlerisch oft nicht weniger bedeutend.

Das restaurierte Pestbild der Wiener Rochuskirche

Vor kurzem konnte die nach 1945 dritte Restaurierung der Dreifaltigkeitssäule auf dem Graben – eines der barocken Wahrzeichen Wiens – abgeschlossen werden. Die öffentliche Baustellendokumentation hat dort eine der größten Notzeiten der Stadt, die Pestepidemie von 1679 und die Türkenbelagerung 1683, in Erinnerung gerufen. Neben den zahlreich nach Wiener Vorbild bis nach Böhmen und in den Banat errichteten Pestsäulen aus Stein werden gemalte Pestvotive weniger beachtet, sie sind aber historisch und künstlerisch oft nicht weniger bedeutend.
In Wien sind zwei große, heiligen Pestpatronen geweihte, Kirchen kaiserliche Pestvotive und zeigen ein darauf bezügliches Darstellungsprogramm: 1690 die Rochuskirche in Wien-Landstraße und nach der letzten Pest von 1713 die Karlskirche. Für die Rochuskirche malte der Hofmaler Peter Strudel 1690 ein großes Hochaltarbild als Dank für die Errettung vor der Seuche, dessen Reinigung bei der jüngsten Innenrestaurierung die starke Farbigkeit wieder erkennbar gemacht hat.
Außer diesem großformatigen Ölbild hat sich in der Rochuskirche aber auch ein mit 520 x 347 cm ähnlich großformatiges Leinwandbild erhalten, das in billiger Leimfarbentechnik gemalt ist. Es war seit langem deponiert und in seinem fleckigen und verschmutzten Zustand wenig beachtet. Erst 2004/05 konnte es in den Restaurierateliers des Bundesdenkmalamtes mit innovativen Methoden wieder in einen präsentierfähigen Zustand gebracht werden. Es stellt – wie das definitive Ölbild Peter Strudels – Maria und die Pestpatrone Rochus, Sebastian und Rosalia über der Silhouette der Stadt Wien dar, wie sie die Stadt dem göttlichen Schutz empfehlen. Auf dem wieder entdeckten Leimfarbenbild sieht man im Vordergrund die ganze kaiserliche Familie. Kaiser Leopold kniet wie auf der Grabensäule mit großer Perücke und goldgelbem Brokatmantel über der Rüstung; neben ihm seine Söhne, der damals 12-jährige Josef (I) und der 5-jährige Karl (VI) und vor ihnen liegt die römische Kaiserkrone. Gegenüber knien Leopolds dritte Frau, Eleonora von Pfalz-Neuburg, und beider Töchter Maria Elisabeth, Maria Anna und Maria Theresia in gleichfarbigen Roben. Mit dem goldgelb gemalten Rahmen mit barocken Schmuckmotiven wirkt die irdische und himmlische Vorstellung wie als barocke Theaterszene eines „lebenden Bildes“. Der anonyme Maler ist im Kreis der Hof- und Theatermaler zu suchen und hat vielleicht nach einer Skizze Peter Strudels gearbeitet. In der definitiven Ausführung hat Peter Strudel die Komposition seitenverkehrt neu geordnet, mit diagonalen Blickführungen verstärkt und die Gruppe der Kaiserfamilie durch eine realistische Szene im Vordergrund mit Pestkranken und Pestleichen ersetzt. Der Votivcharakter mit der Selbstdarstellung des Stifters und seiner Familie auf dem Leimfarbenbild wird im Hochaltarbild Peter Strudels auf die irdische Todesnot und die himmlische Fürbitte (Intercessio) konzentriert.

Das jetzt restaurierte Leimfarbenbild stellt demnach ein seltenes Beispiel für die barocke Bilderpraxis einer doppelten, stufenweisen Ausführung dar. Denn bis aufwändige und langsam trocknende Ölbilder fertig waren, hat man sich mit rascher und billiger Leimfarbenmalerei als Zwischenstufe geholfen und von weniger prominenten Malern sogenannte Interimsbilder ausführen lassen, die nur selten erhalten geblieben sind. Außer dem Gemälde für die Rochuskirche haben sich in der Kirche des Johannesspitals in Salzburg zwei weitere, nur in Graustufen gemalte Interimsbilder aus der Zeit um 1700 erhalten.
Restauriertechnisch sind Leimfarben- und Guachebilder wesentlich empfindlicher als Ölbilder und benötigen eine ganz verschiedene Behandlung. Löcher und Risse im Leinenträger wurden durch Einweben eingefärbter alter Leinenfäden gesichert. Eine Reinigung war nur trocken und schonend mit Radierpulver möglich. Die vielen braunen Wasserflecken und -ränder ließen sich nur mit Hilfe von einseitig feuchtdurchlässigen Gore-tex-Kompressen absorbieren. Dazu kamen matt bleibende Farbfestigung und ebensolche Fehlstellenretusche. Die selbständige Restauratorin Brigitte Futscher hat insgesamt an die 700 Stunden in die Wiederherstellung investiert. Mit Betreuung und ergänzenden Arbeiten waren Amtsrestaurator Michael Vigl, das Amtslabor für Materialanalysen, Amtsrestaurator Wolfgang Martin für neue Randleisten und die Architekturabteilung des Bundesdenkmalamtes für den Entwurf einer Sicherung zur Neuaufstellung des monumentalen Pestvotivbildes im Nebengang der Rochuskirche in Wien-Landstraße beteiligt. Die Gesamtkosten haben rund € 20.000.- betragen.

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