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Oktober

Spätgotisches Tafelbild "Anna-Selbdritt", österreichisch, 2. Hälfte des 15. Jh.

heute: Wien, Privatbesitz

spätgotisches Tafelbild: Anna Selbdritt

Spätgotisches Tafelbild "Anna Selbdritt", österreichisch, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, heute: Wien, Privatbesitz

Skulptur: Thronende Anna Selbdritt

Abb. 2: Thronende Anna Selbdritt, schwäbisch, um 1480, Leogang, Bergbaumuseum

spätgotisches Tafelbild: Maria aus der Verkündigung, Meister des Friedrichsaltars

Abb. 3, Vergleichsbeispiel: Meister des Friedrichsaltars, Maria aus der "Verkündigung", um 1440, OÖ Landesmuseum

spätgotisches Tafelbild: Detail aus dem Miraflores-Altar

Abb. 4: Rogier van der Weyden, Miraflores-Altar: Detail "Hl. Familie", um 1440, Berlin, Staatl. Museen zu Berlin PK-Gemäldegalerie

spätgotisches Tafelbild: Der hl. Lukas malt die Madonna

Abb. 5: Rogier van der Weyden: Der hl. Lukas malt die Madonna, 1435/40, München, Alte Pinakothek

spätgotisches Tafelbild: Madonna und Kind mit Heiligen im

Abb. 6: Umkreis von Robert Campin: Madonna und Kind mit Heiligen im "hortus conclusus", ca. 1440/60, Samuel H. Kress Collection

spätgotisches Tafelbild: Verkündigung an Maria

Abb. 7: Meister der Pollinger Tafeln: Verkündigung an Maria, München, 1444, Alte Pinakothek

Das spätgotische Tafelbild stellt die heilige Anna-Selbdritt (Abb. 1) dar, ein Bildtypus, der im Spätmittelalter im Zusammenhang mit den theologischen Auseinandersetzungen um die Thematik der Unbefleckten Empfängnis aufgekommen war und nördlich der Alpen seit der Mitte des 15. Jh's vor allem im Bereich der Skulptur erscheint.

 Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte ihren Höhepunkt, als Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Charakteristisch für ihr Bild wurde zu dieser Zeit die Darstellung mit gegürtetem grünem Unterkleid, rotem Mantel, weißem Kopftuch und Halstuch, dem damals schon altertümlichen "Gimpf". Man denke etwa an die Skulptur der thronenden hl. Anna Selbdritt von ca. 1480 im Bergbaumuseum Leogang. (Abb. 2) Ursprünglich war unser Tafelbild wahrscheinlich Mittelteil eines Flügelaltars. Anna, eine reifere Frau, sitzt mit dem nackten Jesusknaben auf dem Schoß auf einem durch ein Podest erhöhten Thron über einem Blatt- und Blütenteppich unter einem Baldachin. Zu ihrer Linken steht die jugendliche Maria, mit Stirnreif über dem lang fließenden, unbedeckten Haar im blauen Kleid über rosarotem Unterkleid, im Blickkontakt mit ihrem Kind; von Bedeutung sind wohl die spiegelbildlich gleichen Handbewegungen von Mutter und Kind. Diese zentrale, überdimensioniert dargestellte Gruppe im Vordergrund wird zu beiden Seiten von unperspektivisch verkleinerten Anbetenden flankiert. Dahinter finden sich vor gemustertem Goldgrund über einer Ziegelmauer, links und rechts mehrere geflochtene, dreiflammige Kerzen, die an horizontal verlaufenden Eisenstangen befestigt sind. Marias elegant gelängte Gestalt ist insgesamt noch den Stilmerkmalen des altertümlicheren "Internationalen" oder "Weichen Stils" der 1. Jh.-Hälfte verpflichtet.

Traditionell auch der goldene Hintergrund mit geprägtem vegetabilen Rankenwerkdekor, ein Relikt spätmittelalterlicher Symbolsprache. Dies gilt auch für die elegante Gestik der Figuren, den teppichartig wirkenden Pflanzengrund und die Erhöhung der zentralen Gruppe durch Bedeutungsperspektive. Die Darstellung verarbeitet aber auch Anregungen, die von der niederländischen Malerei und deren bahnbrechenden Neuerungen ausgehen: Den Blick auf die reale Welt, formale Lösungen, die Jan van Eyck, Robert Campin ("Meister von Flémalle") (Abb. 6) und Rogier van der Weyden (Abb. 4, Abb. 5) gefunden haben. Innerhalb der regionalen Traditionen führten diese Einflüsse - wie auch am vorliegenden Beispiel erkennbar - zu eigenständigen Lösungen.

Beachtenswert ist der Versuch, einzelne Motive illusionistisch wiederzugeben: etwa der Schatten, der von den perspektivisch wiedergegebenen Haltestangen und einer Thronstütze auf die in Draufsicht dargestellte Ziegelmauer geworfen wird und die realistisch dargestellten Falten im roten Stoff des Baldachins. Raum wird durch das wie "aufgeklappt" gegebene, eigentümlich geformte Podest geschaffen, auf dem die hl. Anna, im faltig gebauschten Mantel, monumental thront. Die zeitliche Einordnung nach der Mitte des 15. Jh's ist kaum anzuzweifeln. Die ursprüngliche Zuschreibung an einen Brixener Meister ist hingegen unsicher. Nach Arthur Saliger (Österreichische Galerie - Belvedere) handelt es sich um ein Werk des Meisters der Pollinger Tafeln. (Abb. 7) Weitere Arbeiten dieses Künstlers finden sich in der Alten Pinakothek in München und in der Kunstsammlung des Stiftes Kremsmünster. Ein markanter Detailrealismus, wie in der Wiedergabe der gewundenen Hängekerzen, erscheint tatsächlich vergleichbar.

Das Tafelbild, das sich gegenwärtig in Wiener Privatbesitz befindet, ist durch seine künstlerische Qualität und als ein hervorragendes Werk der spätgotischen Malerei im süddeutsch-österreichischen Raum von besonderer Bedeutung für die österreichische Kunst. Es wurde daher von der Ausfuhrabteilung unter Denkmalschutz gestellt.

Letztes Update: 18.09.2003 © Copyright 2003 BUNDESDENKMALAMT



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