Themen
Dezember
Stift Wilten, Innsbruck, Tirol
Tischplatten aus Stuckmarmor 18. Jh.
Spielkarten vor Restaurierung
Spielkarten nach Restaurierung
Rückseite der Tischplatte mit den vergessenen Zeitungsblättern
Einsetzen der Fehlstellen mit eingefügtem Japanpapier und Kleister
Zeitungsblätter nach Restaurierung
Im Barockstift Wilten bei Innsbruck hat sich eine bedeutende Einrichtung repräsentativer Stiftsräume erhalten. Von dem zugehörigen Mobiliar sind durch die Zerstörungen im letzten Krieg und ihren Folgen zahlreiche Verluste und schwere Schäden entstanden.
Im Barockstift Wilten bei Innsbruck hat sich eine bedeutende Einrichtung repräsentativer Stiftsräume erhalten. Von dem zugehörigen Mobiliar sind durch die Zerstörungen im letzten Krieg und ihren Folgen zahlreiche Verluste und schwere Schäden entstanden. Dazu gehören auch drei im 18. Jh. entstandene Tischplatten in der damals beliebten Technik aus Stuckmarmor. Bei dieser Technik werden durchgefärbte Pasten aus leimgebundenem Gips zu Musterungen geknetet und in aufwendigen Arbeitsschritten verdichtet und auf Marmorglanz poliert. Dabei können auch Bilder in Einlegetechnik hergestellt werden. Diese aus Italien kommende Technik wird Scagliola genannt.
Die Restaurierwerkstätten des BDA haben 2003 die Untersuchung und Restaurierung von zwei besonders originellen Scagliolaplatten mit Spielkartenmotiven abgeschlossen. Nach der Darstellung waren diese Ovaltische daher zum Kartenspielen bestimmt. Wegen der hohen Feuchte- und Kratzempfindlichkeit von Stuckmarmor sind umfangreiche Schäden im Aufbau der Platten und in der Oberfläche entstanden. Diese wurden von einem erfahrenem Stuckrestaurator unter dem jeweiligen Schadensbild angepaßter Wiederholung der Originaltechnik soweit restauriert, daß wieder eine gute Gesamtwirkung gegeben ist. Für eine nicht nur museale Wiederbenützung ist allerdings der Schutz durch eine Glasplatte mit kleiner Zwischendistanz notwendig.
Die Unterseite der Tischplatte ist nicht marmoriert, bot aber eine große Überraschung. Der unbekannte Stuckmarmorkünstler hat als Unterlage für die schichtenweise aufgebaute Gipsplatte mehrere Blätter einer damaligen Zeitung als Trennschicht verwendet und diese auf der Rückseite "vergessen". Alle diese Blätter sind Ausgaben der "Augspurgischen Ordinari Postzeitung" aus dem Jahre 1790, von denen drei Blätter zwischen dem 6. und 19. März 1790 genau datiert sind. Diese Zeitungsblätter bieten nicht nur eine Datierung für die Herstellung der Tischplatte, sondern sind für sich auch eine wichtige historische Quelle für das Nachrichtenwesen in Innsbruck zu dieser Zeit. Die Zeitungsmeldungen enthalten unter anderem Berichte vom Begräbnis Kaiser Joseph II. in Wien und seinen letzten politischen Aktivitäten. Ferner finden sich Nachrichten aus vielen Teilen Europas von hohem zeitgeschichtlichen Interesse.
Einsetzen der Fehlstellen mit eingefügtem Japanpapier und Kleister
Die Zeitungsblätter mußten zur Konservierung (Entsäuerung, Festigung, neutrale Fehlstellenergänzung) abgelöst werden und werden künftig getrennt von der Tischplatte aufbewahrt. Sie sind ein schönes Beispiel dafür, daß bei den meisten Kunstwerken auch die oft unbeachteten Rückseiten wichtige Informationen über Entstehung und Schicksal dieser Werke bewahren und daher ebenso beachtet und gepflegt werden müssen. Die Restaurierungen wurden von auf Stuckmarmor- bzw. Papierkonservierung spezialisierten Restauratoren in den Amtswerkstätten des BDA mit Unterstützung des naturwissenschaftlichen Amtslabors durchgeführt. Der gesamte Arbeitsaufwand betrug rd. 250 Arbeitstunden.
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